26.01.02 23:32 Alter: 19 yrs

[Ausstellung] 26.01. bis 07.03.2002: Christoph Büchel – Shelter »hosted by …« Haus der Kunst, München

Rubrik: Ausstellungen, Allgemeine News

 

Der Schweizer Künstler Christoph Büchel verwandelt die Südgalerie Ost im Haus der Kunst, München. Die Installation »Shelter« weckt den Eindruck eines verlassenen Industriegeländes, das nach seiner Schließung von diversen Gästen als Zufluchtsort benutzt wurde. Über ein Röhrensystem können die Besucher/innen die Anlage betreten und Flure, Schächte und Zellen erforschen. Die einzelnen Raumabschnitte, die von außen nicht einsehbar sind, erfüllten für ihre ehemaligen Benutzer/innen offenbar verschiedene Funktionen. Relikte verweisen auf eine Schlafstätte, eine Bibliothek, einen Kühlraum usw. Ein Bereich steht unter Wasser, ein anderer ist mit Müll gefüllt, ein dritter nur über eine Seilbahnkabine zugänglich. Die Orte erzählen Geschichten über das Leben ihrer einstigen Bewohner/innen, die aus rätselhaften Gründen hier Schutz suchten und plötzlich verschwanden. »Shelter« eröffnet den Zugang zu einer anderen Welt und lässt die Besucher/innen mit allen Sinnen in eine surreale Traumlandschaft eintauchen.

Christoph Büchel sorgte mit seinen ausufernden Rauminstallationen schon öfters für Furore. Er verpflanzte u. a. komplette Wohnungen von fiktiven Zeitgenossen in vorgefundene Ausstellungsräume und lud die Besucher/innen so zur aktiven Spurensuche ein. Häufig stellt sich der Eindruck ein, dass die früheren Bewohner/innen Gefangene ihrer psychischen Zwänge waren. So hat Büchel in der Offenbacher Ausstellung »Alles wird gut« (1999) detailliert die Welt eines Menschen inszeniert, der alles anfängt und nichts zu Ende bringt und schließlich im Chaos versinkt. In der Installation »Lieber Kurt, …« (2000) im Sprengel Museum Hannover bewegte sich der Besucher im Gelände eines Tüftlers, der im Material seiner zahllosen unausgeführten Projekte zu ersticken droht.

Es ist eine heillose Verfassung des Menschen, die Büchel in seinen Erfahrungsräumen nachzeichnet: Sie spiegeln seelische Konflikte und zwanghaftes Handeln, Verlorenheit und Ausweglosigkeit. Undurchschaubare Umstände und Dinge in ihrer übermächtigen Bedeutung haben die Herrschaft über den Menschen gewonnen. Beim Begehen der Installationen Büchels wird man sich als Voyeur fremder und vielleicht auch eigener Ängste, Sehnsüchte und Obsessionen ertappen. Büchel arbeitet stets mit großer Akribie und immensem Aufwand. Seine Installationen sind angefüllt mit aufgefundenen Gegenständen wie Matratzen, Sofas, Schränken, Werkstattutensilien und diversem Schrott, wozu schon ganze Autowracks und ein Hubschrauber zählten. Die Besucher sind aufgefordert, alles zu erkunden und sich, wenn es sein muss, sogar durchzuwühlen.

Kuratorin: Susanne Meyer-Büser, Assistenz: Marco Teubner

Termine:

25. Januar 2002, 19 Uhr: Eröffnung, Haus der Kunst München